Warum funktioniert Silent-Dating?

Zunächst einmal vorweg: Silent-Dating steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Das heißt: Die Angebote für Silent-Dating-Events beschränken sich auf einige wenige Großstädte, darunter z. B. Hamburg. Dennoch finden sich im Netz schon einige Erfahrungsberichte von Teilnehmern, deren Meinungen unterschiedlich ausfallen. Aufregend, interessant, witzig sind Schlagworte der Teilnehmer, im Fazit zeigt sich die "Erfolgsrate" jedoch genauso hoch oder niedrig wie bei allen anderen Dating-Formen auch. Darum schauen wir uns einmal genauer an, auf welchen psychologischen Grundlagen der Reiz dieser Datingform beruht und warum es funktionieren kann.

Instinktives Kennenlernverhalten wird inszeniert

Glücklich durch Erfolg von Silent-Dating

Nur wenige Singles lernen sich im Alltag direkt durch ein Gespräch kennen. Meist ist es so, dass Interesse durch Aussehen, Ausstrahlung, Aura, bestimmte Verhaltensweisen geweckt wird, so wie das in Weekend-Location wie Club, Disco, Kino, Tanzbar oder bei Freizeitaktivitäten der Fall ist. Zuerst beobachtet man den anderen, studiert Gestik, Mimik, versucht herauszulesen, ob er oder sie auch an einer Kontaktaufnahme interessiert sein könnte. Oft geht das Beobachten über einen längeren Zeitraum und viele Facetten werden gedeutet, bis das eigentliche "Ansprechen" erfolgt. Dieses Prinzip liegt auch dem Silent-Dating zugrunde, es wird anhand anderer Kriterien erst einmal aussondiert. Worte sind stark und können ein Kennenlernen schon im Keim ersticken, z.B. wenn ein dummer Anmachspruch herüberkommt.

Wesentliche Sinne bleiben aktiv

Jede Datingform kann nur funktionieren, wenn nicht alle Sinne komplett ausgeschaltet sind, es braucht die Wahrnehmung des Gegenübers. Beim Silent-Dating sind die Augen besonders aktiv, gefolgt von Geruchs- und Tastsinn sowie den Reizsensoren im Gehirn. Sprache und Ton sind inaktiv. Auch die Konzentration ist gefordert, denn neben dem Beobachten gilt es auch bei den Kurznotizen auf den Zetteln mit Bedacht zu schreiben.

Nehmen wir zum Vergleich ein Date, bei dem beiden Parteien die Augen verbunden sind, die Nase durch eine Atemmaske bedeckt ist, keine Sprachkommunikation möglich ist und Berührungen ausgeschlossen sind. Hier kommen keine reale Vorstellung und kein Empfinden auf, denn die wesentlichen Sinne sind ausgeschaltet.

In einem sind sich die Experten auf dem Gebiet der Beziehungsforschung einig: Ob sich zwei Menschen sympathisch sind und somit eine Chance auf mehr haben, entscheidet sich innerhalb von wenigen Sekunden über die Wahrnehmung von Optik, Geruch, Körpersprache. Diese Feststellung bewahrheitet sich bei jeder Art von Dating-Variante. Wer sein Gegenüber auf den ersten Blick schon nicht attraktiv, anziehend und interessant findet, der wird dies auch beim Silent-Dating durch seine Körpersprache signalisieren.

Silent-Dating ist auch Selbsterfahrung

Offene Körpersprache kommt an beim Silent-Dating

In zahlreichen Lifestyle- und Psychologie-Magazinen erfahren wir immer wieder, wie Körperhaltung, Gestik, Mimik unsere Außenwirkung beeinflussen und welche Signale wir unbewusst senden. Je nachdem, wie wir uns geben, sitzen, stehen, die Gesichtsmuskulatur an- oder entspannen, wird uns die Außenwelt als gelangweilt, offen, verschlossen, fröhlich, verbittert, ablehnend, desinteressiert wahrnehmen. In vielen Lebensbereichen spielt die Körpersprache eine weitaus größere Rolle als oft angenommen. So zum Beispiel im Bewerbungsgespräch oder bei Gehaltsverhandlungen. Wer ein Silent-Dating machen möchte, sollte sich auch mit sich selbst beschäftigen, um keine falschen Signale zu senden. Zudem schulen Teilnehmer die Wahrnehmung und Deutung der Körpersprache von anderen, was insgesamt eine sehr wertvolle Erfahrung sein kann.

Was Ausstrahlung und Aura mit Silent-Dating zu tun haben

In der Liebe findet zusammen, was zusammen gehört, was sich anzieht und gegenseitig begeistert. Die Ausstrahlung ist dabei noch wichtiger als das Aussehen. Das gewisse Etwas, das nicht in Worte zu fassen ist, macht sich nicht an der Optik, sondern an der Aura fest. Diese Aura ist nicht greifbar und schon gar nicht für jeden gleich. Ein Merkmal, das der eine toll findet, kann den anderen völlig kalt lassen.

Körpersprache und Körperhaltung sowie unsere Augen sind der Spiegel der Seele. Wer hier genau hinschaut, der kann weitaus mehr erkennen, als Worte jemals sagen können. Es ist aber dennoch nicht ganz einfach, auch hier das Schauspiel von den echten Emotionen zu trennen, weshalb Silent-Dating in dieser Hinsicht durchaus einen täuschenden oder gar enttäuschenden Eindruck vermitteln kann.